Die Auferstehung

Die Auferstehung

Die Helden sind älter geworden, über fünzig, frustriert, zerstritten und ohne Kontakt zueinander. Peter Shaw arbeitet für Google, Bob Andrews ist Literaturagent und Justus Jonas, der kluge Schnelldenker mit dem fotografischen Gedächtnis und dem Hang zur Angeberei macht Reparaturworkshops und ist nicht aus Rocky Beach herausgekommen. Sie haben das Detektivspielen längst aufgegeben, ihre Visitenkarten sind verstaubt und auf dem Schrottplatz sind die Zugänge zur Zentrale verrostet. Da wird Justus von Freunden aus vergangener Zeit gebeten, eine Frau zu überprüfen, die von einer Amazonas-Expedition nie zurückgekehrt ist, als verschollen galt und nun nach 7 Jahren aufgetaucht ist, um ein Millionenerbe anzutreten. Ist sie die echte Tracy Hitfield oder eine skrupellose Betrügerin? Aus unterschiedlicher Perspektive ermitteln Die drei Fragezeichen, ohne zu wissen, dass sie zufällig alle in den gleichen „Fall“ verwickelt sind.

Was Teil meiner Urlaubslektüre werden sollte, ist längst ausgelesen: „Nur mal kurz reinschauen“, wollte ich und konnte nicht aufhören zu lesen, auch wenn diese Adaption für Erwachsene und Fans immerhin 442 Seiten stark ist. Die drei Fragezeichen sind älter, ich auch, also passte das. Und trotzdem war ich bei der Lektüre auch wieder 12 und habe mitgefiebert- vor allem wollte ich, dass die Drei wieder ein Team werden. Was hier so viel Spaß macht, ist, dass Atmosphäre, Sprachstil und Geist der Kinder-/Jugendbücher von damals stimmig aufgegriffen wurde. (Ich hatte vor allem die Bücher mit Hitchcocks Fingerzeig wieder und wieder gelesen). Die Technik hat sich zwar weiterentwickelt, die Karrieren auch, die Typen von früher sind jetzt Charaktere mit Vergangenheit und Verletzungen und trotzdem backt Tante Mathilda (ja sie lebt noch, Onkel Titus ist verstorben) wieder ihren Kirschkuchen. Justus Auto hat Goldlack, wir finden viele Hinweise auf „das universelle Symbol des Unbekannten“, und auch hier wird es mystisch. Der Fall ist tatsächlich spannend, auch für erwachsene Leser:innen, aber erinnert vergnügt an die Art der Aufklärung, wie wir sie von früher kennen. Die Telefonlawine ist gegen eine solche per E-Mail ausgetauscht (funktioniert aber genauso gut), die Recherche kommt zwar nicht ohne „Bibliothek“ aus, die wird jetzt aber über das unendliche Google-Netzwerk ermöglicht. Einer wird krankenhausreif geschlagen, einer reist in die Favela nach Brasilien und einer nutzt seine Verbindungen zur örtlichen Polizei. Also alles wie immer, früher ein gemütlicher Schmökerausstieg, heute auch noch.

Und vielleicht dürfen wir uns auf mehr „Urlaubslektüre“ freuen, denn der Autor macht auf der letzten Seite Hoffnung. Die drei Detektive wollen weiterhin unentgetlich und nebenberuflich „offene Fragen und ungelöste Rätsel“ entschlüsseln, ihre Kreide haben sie ja noch.

Eine nette Idee, ein spannender Krimi, für Fans sogar ein doppelter Spaß.

Info
Text: Andreas Eschbach
KOSMOS 2025

Andreas Eschbach, preisgekrönter deutscher Schriftsteller und Bestsellerautor,vor allem von Science-Fiction-Literatur, nennt Die Auferstehung auf seiner Website ein „Sonderprojekt“.


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