Karma-Girl – Das Mädchen, das nicht lügen konnte

Karma-Girl – Das Mädchen, das nicht lügen konnte

Priya ist eine gute Schülerin, eine brave Tochter und eine loyale Freundin. Außerdem turnt sie so gut, dass sie es in den Nachwuchskader des Olympiateams schaffen könnte. Es allen recht zu machen, kostet allerdings auch viel Kraft, Priya ist gestresst. Als sie das Vermächtnis ihrer verstorbenen Großmutter überstreift, einen funkelnden, wertvollen Armreif, der sie immer und überall die Wahrheit sprechen lässt, auch wenn sie den Mund verzweifelt zukneift, verkompliziert sich ihr Leben noch zusätzlich. So sagt sie ihren Eltern, dass das ewige Gestreite an ihren Nerven zehrt, gibt der Lehrerin Widerworte und gesteht Dan Zhang, dass sie ihn toll findet. Und ihre forsche Art kommt erstmal ganz gut an, Dan fragt sie nach einem Date, beim Sport wird ihr ein trainingsfreier Freitag zugestanden und die Eltern nehmen sich plötzlich zusammen. Aber dann macht sie auch ihr anvertraute Geheimnisse öffentlich und rutscht zwischen allen Stühlen ab. Wie bekommt sie bloß diesen schrecklichen Armreif ab und ihr altes Leben zurück?

Wie oft haben wir schon geflunkert, um andere nicht zu verletzen, oder aus Bequemlichkeit schnell Ja gesagt, wenn wir eigentlich Nein meinten? Eine vergnügliche „Freundschaftsgeschichte über Notlügen“ und „peinliche Geständnisse“, bringt hier über die Lektüre hinaus zum Nachdenken. Priya, aus einer indischen Familie, hat früh gelernt, dass man auf keinen Fall „in der Öffentlichkeit schmutzige Wäsche wäscht“, eine glückliche Familienfassade aufrecht zu erhalten, ist oberstes Gebot. So muss sie mühselig erkennen, wo überhaupt ihre Interessen liegen und ob sie nicht nur einfach die Hoffnungen ihrer Eltern erfüllt. Aber auch Priyas Freundinnen haben ihre Geheimnisse und lügen, wenn es das Leben leichter macht. Und wir und die lesenden Kinder fragen uns, ob Mut zur Wahrheit gehört und wie weit wir uns anpassen würden.

Die Charaktere sind gelungen, Mei, die immer Schwarz trägt, weil sie die „wahrhaftigste Farbe von allen ist“ und Sami, die Schauspielerin werden möchte, und deren Bat-Mizwa, die Party des Jahres werden soll. Am besten hat den Kindern allerdings Pinkie gefallen, die kleine Schwester von Priya, von allen unterschätzt und mit dem ADHS-Stempel. Sie versucht nicht, wie ihre Schwester, die Erwartungen aller zu erfüllen. Sie hat die guten Ideen, die klarste Sicht auf die Dinge, keine sozialen Schwierigkeiten – und ist auch noch am kreativsten gekleidet.

Nach vielen Situationen, die die Lesenden haben genüsslich fremdschämen lassen, sind alle Probleme gelöst, die Streits behoben und neue Freundschaften geschlossen worden. Die Kinder haben sich gut amüsiert.

Info
Autorin: Radhika Sanghani
Übersetzung aus dem Englischen: Fabienne Pfeiffer
Verlag Fischer Sauerländer 2025


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