Warum schlafen wir?

Ein Sachbuch des Bilderbande-Verlags gibt hier umfassende Antworten, die nicht viele Fragen offenlassen. Pro Doppelseite wird ein Bereich zum Thema Schlaf präsentiert und erklärt: Warum schlafen wir überhaupt und was passiert beim Schlafen? Körper und Gehirn regenerieren im Schlaf, das vollzieht sich in vier Phasen in einem 90-minütigen Schlafzyklus. Dabei träumen wir, und auch mit diesem Detail befassen sich so einige Seiten: Von „Warum träumen wir“ über Albträume, Bedeutung von Träumen, ob Tiere überhaupt träumen, wird auch über den Sinn von Träumen spekuliert. All das wird mit bunten großflächigen Bilderwelten und einzelnen Illustrationen wunderbar untermalt, bunte Sprechblasen ergänzen zudem den Text.
Wir sehen auf einer Doppelseite über Schlaflosigkeit, wie die Menschen in der Nacht frustiert aus dem Fenster schauen, schlafgestört und hellwach – am Rand werden die Begriffe zur Insomnie detaillierter erklärt und deren mögliche Ursachen aufgelistet. Auf einer anderen Seite „Ist Schlafwandeln normal“ backt ein älterer Mann mit Schlafmütze Kuchen, während seine Frau „Nicht schon wieder!“ ausruft. Dazu erfahren die Lesenden, wie sie mit den Schlafwandler:innen umgehen sollen (bitte nicht wecken, sondern sanft ins Bett zurückgeleiten). Auf der Lieblingsseite der Kinder „Träumen Tiere auch“ erfahren wir, welche Tiere REM-Phasen haben und welche nicht. Wer Hund oder Katze beim Schlafen zugesehen hat, weiß ja, dass ihre Beine zucken und sie seltsame Laute von sich geben. Erstaunlicherweise träumen aber auch Spinnen, Krebse und Tintenfische (wer wusste das vorher schon?).
Interessant ist auch der Test zum individuellen Schlaftyp. Ich bin wie 55% der Menschen der Chronotyp Bär (Schlafnormalo 23-7 Uhr) Während die älteren Buchtrolle in den Ferien immer mehr zum Wolf (Nachtschwärmer) mutieren und die kleineren noch Löwetypen sind (früh zu Bett und morgens früh munter). Und wer überhaupt Probleme mit dem nächtlichen Ruhen hat, kann mit dem Schlafverlaufsdiagramm herausfinden, wie sich die Schlafqualität verbessern lässt.
Das unterhaltsame Sachbuch, vom Verlag für 8-Jährige annonciert, kann durchaus auch generationenübergreifend gelesen werden. Die Bilder sind schon für die kleineren Kinder interessant und die Eltern können über das dialogische Lesen viel über deren Traumerleben erfahren (mehr Monster als Nacktheit). Die neugierigen Grundschüler können schon tiefer in die Materie eindringen und anspruchsvolle Erwachsene können ihr Wissen zum Thema Schlaf erweitern. Die Wörter im Text (Melatonin, Cortisol, Atonie, Zirkadianer Rhythmus usw.) werden im Anhang im Glossar nochmals genauer erklärt. Mal ein Sachbuch, das nicht nur Nischenwissen bedient, sondern relevant für alle Menschen ist.
Und nicht nur die Kleinsten können Schäfchen zählen, auf jeder Seite verstecken sie sich und am Ende des Buches dürften auch die hellwachsten Personen in den Schlaf gefunden haben.
Info
Text und Illustration: Cathy Evans, Polya Plavinskaja
Übersetzung: Stefanie Brägelmann
E. A. Seemanns Bilderbande 2025