Soulmates and Other Ways to Die

Soulmates and Other Ways to Die

England ist 2045 zum „postapokalyptischen Brachland“ geworden, weil bald „zu wenig Menschen für eine funktionierende Gesellschaft“ existieren. Durch eine KinTwin-Mutation werden Menschen zu Seelenverwandten und die Werbung verspricht innige Zeiten. Nachteil: Stirbt eine/r, stirbt zeitgleich auch die gleich empfindende Person. Ist diese beispielsweise Busfahrer/in und fährt mit dem letzten Atemzug das Gefährt in eine Menschenmenge oder an die Wand sind alle Insassen und natürlich deren gematchte Personen ebenfalls verschieden. Ein Dominoeffekt von unglaublicher Tragweite, der Tod lauert also überall und zu jeder Zeit, die Bevölkerung schrumpft und schrumpft. Milo, gutaussehend, spontan und risikobereit lässt sich von der Situation nicht beirren und zieht sein Ding durch, während Zoe als totaler Kontrollfreak niemals ohne Notfallbeutel vor die Tür geht, wenn überhaupt. Als sich beide als Seelenverwandte begreifen müssen, haben beide die gleiche Idee: Es muss doch eine Möglichkeit geben, dieses unheilvolle Band zu zerschneiden und wieder Einzelgänger/in zu werden?

Das ist Science Fiction mit einer ungewöhnlichen und witzigen Ausgangsituation. Vielleicht hat die Autorin locker die quantenmechanische Verschränkung variiert, indem ein Teilchen sofort den Zustand eines anderen Teilchen beeinflusst. (Ein Freund und Einstein nennen das „spukhafte Fernwirkung“ ). Dating Apps werden persifliert, Liebesbeziehungen hinterfragt: Was, wenn der Ehemann stirbt und die Partnerin bleibt am Leben? Dann hat sich letztere wohl was vorgemacht. Die Story ist nicht immer schlüssig durchkomponiert, aber liest sich wie ein Thriller spannend und actiongeladen. Das Kopfkino zeigt eine James-Bond-Abwandlung, die Bars, die Drinks, die Paillettenkleider. Ein dem reichsten Mann der Welt nachempfundener Superschurke bildet den Gegenpart der RomCom-Pärchen. Die Handlanger „des Fährmanns“ tragen schwarze Anzüge und dunkle Sonnenbrillen, sind mit der Waffe schnell zur Hand, während die Rebell:innen sich ständig irgendwo einschleichen und immer wieder zeigen müssen, wie kampferprobt und jeder Situation gewachsen sie sind. Die Sprache der Hauptfiguren, die abwechselnd aus der Ichperspektive erzählen, ist weitestgehend modern, und wir erleben mit, wie aus Enemies Lover werden. Beide sind allerdings RomCom-Klischees, beide gutaussehend, er im Footballteam, sie vor allem schlau, und natürlich lieben sie sich schlussendlich mit oder ohne Chemie.

Der älteste Buchtroll meint aber, wir sollten doch lobend erwähnen, dass wenigstens die Nebenfiguren nicht heteronormativ angelegt sind. Denn „Love is a Choice“, wie der Farbschnitt zeigt.

Info
Autorin: Melissa Welliver
Übersetzung aus dem Englischen: Maria Schmidt
magellan 2025


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