Der Scherbenpalast

Der Scherbenpalast

Lou ist wütend und frustriert. Ihre Mutter hat für ein festes Engagement die Großstadt aufgegeben und alle müssen mit umziehen. Und nun sitzt sie im „Kackmannheim“ fest, „wo der letzte Scheißhund begraben“ liegt, und alles, was ihr wichtig war, musste zurückbleiben: die Großstadt, ihre beste Freundin, Damian, mit dem der Status quo noch gar nicht geklärt war. Vor allem um ihre Eltern so richtig zu ärgern, freundet sie sich mit den Aussteiger:innen an. Sie hilft also der älteren, exzentrischen Nachbarin, täglich Porzellan zu zerschlagen, schließlich passt das gerade zu Lous Stimmung. Und eigentlich ist das Projekt ziemlich nice, denn mit den Scherben verändert sich die Fassade stetig, sie kann schöpferisch arbeiten und mal ihre Wut vergessen. Und der düstere Tikey, mit dem man so beredt schweigen kann, und der riesige Mammutbaum im Garten wecken zudem Lous Interesse.

Natürlich erkennt Lou am Ende, dass ihr die neue Umgebung und deren Bewohner:innen ans Herz gewachsen sind. Bis dahin lesen wir einen wunderbaren Jugendroman, der manchmal sprachlich derb, und trotzdem voller Poesie ist. Die Autorin beschreibt sehr nah und mit viel Verständnis für ihre Figuren – egal welchen Alters – wie sie fühlen und handeln, oft genug leiden und sich selbst im Weg stehen. Ich empfinde mehr mit den Eltern, der Buchtroll mit Lou, damit ist das Buch schon generationenübergreifend interessant. Wir erleben gemeinsam die Frustrationen, Hoffnungen und auch die glücklichen Momente mit, alles ist wahrhaft und immer nachvollziehbar.

Das Buch vereint erstaunlich viele Themen, die mit leichter Hand verwoben werden. Klimakrise, Freundschaft, erste Liebe, Eltern-Kind-Konflikte. Wir erinnern uns an die Cranberries mit ihrem Song Zombie, wenn Lou aggressiv die Anlage aufdreht, um die Nachbar:innen zu verschrecken. Und als Nebenstrang, ganz nebenbei, erfahren wir noch von der Umweltaktivistin Julia Butterfly Hill, die Jahre in einem Baum gelebt hat, um die Abholzung von Bäumen zu verhindern.

Mich hat die Lektüre auch ein wenig an die Jugendromane von David Almond erinnert – und das ist höchstes Lob von meiner Seite.

Info
Autorin: Anette Mierswa
Verlag: Freies Geistesleben 2025


1 thought on “Der Scherbenpalast”

  • Hach, diese Lou! Ein Umzug, eine Zertrümmerungsparade und sie findet trotzdem Beziehungen. Beeindruckend, wie sie aus der Großstadt-Blase in die Natur-… äh… Porzellan-Katastrophe springt und trotzdem Freunde findet, zumal mit dem exzentrischen Porzellan-Schläger und dem Schweigsamen. Der Roman klingt nach ordentlich Poesie und Wut, mit einem Hauch von Almond und einer Portion Mierswa-Autorenpower. Die Themen sind so gemischt, dass man fast eine Krise hätte, weil man sich so viele Dinge merken muss. Aber hey, wer braucht schon eine Klimakrise, wenn man statt dessen Porzellan zerschlagen und über Eltern-Kind-Konflikte schreien kann? Ein bisschen deppert, aber wer lesen kann, lernt mit… oder so ähnlich.

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