Der Zauberer von Oz

Allseits bekannt ist der „Kult-Klassiker“ von Dorothy und Toto, die es wegen eines Wirbelsturms aus Kansas nach OZ verschlagen hat. Denn der Zauberer von Oz ist Teil der Popkultur. Es gibt Musicals, unzählige Verfilmungen, es wurde in Büchern zitiert, besungen, weiterentwickelt oder variiert. Und das zu Recht. Denn es ist eine sehr gute Geschichte, eine der besten.
Wir lesen über eine mit Stroh gefüllte Vogelscheuche, die sich nach Verstand sehnt, einen Blechmann, der glaubt, kein Herz zu besitzen, und einen Löwen, der sich für einen Feigling hält. Dorothy möchte nur zurück zu Tante und Onkel nach Hause. Alle vier tun sich zuammen, um in die Smaragdstadt zu reisen. Sie wollen den großen Zauberer um Liebe, Intelligenz, Mut und den Weg nach Kansas bitten. Wir wissen allerdings, dass sie einen Scharlatan befragen, der gar keine Antworten auf ihre Fragen geben kann. Die Heldin und ihre Mitstreiter müssen selber für sich einstehen. Es gibt magische Schuhe, gute und böse Hexen, fantastische Wesen, natürlich sprechende Tiere und – für mich als Kind wirklich am gruseligsten – geflügelte Affen.
Alle Individuen wachsen über sich hinaus, oder hatten schon von vornherein die Charaktereigenschaften, die sie sich vom Zauberer erhofft hatten. Sie haben eigene Kräfte und können sie aus sich selbst entwickeln. Für Kinder ist es schön, das Original (oder in diesem Fall die überragende Übersetzung) dieser Geschichte zu lesen oder sich vorlesen zu lassen. Und vier Buchtroll:innen hören aufmerksam zu (6, 9, 11 und 13!), obwohl Manga- und Fantasyabenteuer fixiert, lassen sie sich von der Sprache und den Abenteuern einfangen (nur gelegentlich wird mit „Wicked“ verglichen). Das Oz-Abenteuer ist ein wenig nostalgisch, aber die Sprache ist so gelassen und elegant, dass die kleineren Kinder abends, nach noch und noch einem Kapitel, ruhig in den Schlaf gleiten – die Vorleserin allerdings auch. Wunderschön sind die ganzseitigen Illustrationen, denen hier wie in der Erstausgabe 1900 besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
Diese Ausgabe kann wegen der Schönheit der Sprache, der Illustrationen, der Haptik und natürlich der märchenhalften Erzählung noch an die nächsen Generationen weitergegeben werden. Papier ist manchmal doch überlegen.
Info
Autor L. Frank Baum (Erstausgabe 1900)
Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch: Hans-Christian Oeser
Illustrationen: Marieke Nelissen (für die niederländische Ausgabe 2019)
Deutschsprachige Ausgabe Insel Verlag 2025