Aali muss los

Aali muss los

Aali erfährt, er ist nun ein Suchender. Als Gelbaal hatte er viele Jahre gemütlich mit seinem Freund Frank, einer Brasse, im Nord-Ostsee-Kanal verbracht, mit Schwimmen, Fressen und Rundendrehen. Jetzt verwandelt er sich ein drittes Mal. Seine Augen werden größer, die Flossen kräftiger und seine Geschlechtsorgane entwickeln sich. Und da ist dieses seltsame Ziehen: Sein innerer Kompass verlangt, dass er sich auf eine weite Reise begibt, zum Sargassosee, wo sein Leben vermutlich vor vielen Jahren schon begonnen hatte.

Aali trifft auf seiner langen Reise viele freundliche Wassertiere zu Wasser und an Land, übersteht unzählige Gefahren und kommt irgendwann tatsächlich ans Ziel, wo sich seine Spur allerdings in der Tiefsee verläuft. Dieses Sachbuch ist höchst ungewöhnlich, aber sehr unterhaltsam, präsentiert im Stil eines modernen Heldenepos, hier natürlich in Prosa, aber mit einer Erzählerin, die sich immer wieder mit launigen Kommentaren einschaltet oder wenn ergänzende Informationen zu den Abenteuern des Aals passen. Aali kämpft, verliebt sich, findet Weggefährten und Gesprächspartnerinnen und steckt – wie Percy Jackson – sogar mal in einer Partywelt fest. Aber er folgt seiner Bestimmung, behält sein Ziel beharrlich im Auge und kommt letztendlich zum Ende seiner Quest.

Wir lesen eine spannende Geschichte über einen – ja, wir glauben es kaum, – Aal! und seine Abenteuer (vor) und erfahren in extra Passagen (die andersfarbig unterlegt sind) viel Wissenswertes über diesen schlangenförmigen Fisch mit der schlüpfrigen Haut. Eigentlich wollen wir gleich ins Aquarium stürmen, um Aale „in echt“ anzusehen. Ihr Lebenszyklus ist tatsächlich so außergewöhnlich, dass auch die Forschung das Geheimnis dieser vom Aussterben bedrohten Fische bisher nicht allumfassend klären konnte.

Aber das Buch greift auch weitere wichtige Themen auf, mehr nebenbei und ohne erhobenen Zeigefinger: die Klimakatastrophe wie die Vermüllung der Gewässer.

Die Sprache ist modern, witzig, und lässt die Kinder immer wieder kichern. Die großformatigen, auch ganzseitigen Zeichnungen ergänzen den Text passend; und durch die farbigen Seiten (grün in allen Schattierungen) befinden wir uns beim Lesen wie Aali immer im Wasser.

Eine wunderbare Geschichte über eine fantastische Wanderung. Besser kann man das Thema Fisch nicht ans Kind (und die Erwachsenen) bringen.

Info
Text: Finn-Ole Heinrich, Dita Zipfel
Illustrationen: Nele Brönner
Huckepack im mairisch Verlag 2025


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert