Mika Mysteries – Der Ruf des Nachtraben

Mika Mysteries – Der Ruf des Nachtraben

Es ist kalt, sehr kalt in Stockholm 1880. Die Zollstationen sind geschlossen, Lebensmittel sind knapp und für Brennholz werden schon Möbel zerhackt. Da wird in der Nacht ein Baby im Waisenhaus abgeben und Mika nimmt das kleine Mädchen in Empfang. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem nächtlichen Mord und dem namenlosen Kind? Und wer ist der Dunkle Engel? Ist der gerichtete Serienkiller wieder auferstanden oder gibt es Trittbrettfahrer? Als der mit dem Mord befasste Ermittler Valdmar Hoff erkennt, dass Mika eine sehr gute und verschwiegene Beobachterin ist und Dinge entdeckt, die ihm verborgen bleiben, zwingt er Mika zur Mitarbeit.

Wir haben einen wunderbaren Schmöker in der Hand gehalten, der so spannend war, dass wir ohne Unterbrechung bis zur letzten Seite lesen mussten (ich habe dann gleich in Band 2 weitergeblättert). Für die Lektüre sollten die Leser:innen also Zeit einplanen. Mika erinnert an eine Enola Holmes (Sherlocks jüngere Schwester) genial beim Analysieren von Situationen und detailversessen bei der Personenbeschreibung. Wir haben auch an die Olsenbande denken müssen, als Mika verfügt: „In der Kutsche müssen sich diese Dinge befinden“ (nämlich eine Bogensäge, eine Petroleumlampe, Handschellen). Und an die Bakerstreet Boys, die sich in einer ähnlichen Szenerie bewegen, in einer Großstadt des ausgehenden 19. Jahrhundert, mit Armut, Krankheiten, Schmutz und viel Industrie.

Der Autor hat vermutlich bewusst ein Waisenkind als Ermittlerin ausgewählt. Er zeigt die Missstände auf, unter denen Kinder in einer öffentlichen Einrichtung großwerden mussten: die in den Fabriken verheizt würden, keine Lobby hatten, nur als billige Arbeitskräfte adoptlert wurden. KInder, die kaum Schulbildung hatten und keine Zukunftsperspektiven.

Atmosphärisch dicht wird Stockholm beschrieben, anhand einer Karte von 1885 können wir Mikas Schritte nachvollziehen. Die Szenerie ist düster und erinnert an London, wie Dickens sie beschrieben hat.

Sanftmütige Kinder und Kinder, die sich leicht fürchten, sollten sich allerdings lieber vorlesen lassen.

Aber wir empfehlen gleich Band 2.

Info
Text: Johan Rundberg
Übersetzung aus dem Schwedischen: Franziska Hüther
2. Auflage 2025
magellan Verlag


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