Darkly

Darkly

„Nicht du bestimmst das Spiel. Das Spiel bestimmt dich.“

Die Louisiana-Veda-Stiftung sucht 7 Schüler:innen für ein Sommerpraktikum in London und Arcadia Gannon möchte um jeden Preis für das Darkly-Universum arbeiten. Sie liebt Escape-Spiele und die von Veda sind die anspruchsvollsten, raffiniertesten und die mit dem mysteriösen Touch. Als sie ausgewählt/auserwählt wird, glaubt sie an einen Archivjob. Alle sieben Praktikant:innen werden aber Teil eines brutalen Live-Action-Games auf einer düsteren Schlechtwetterinsel in der Nordsee. Sie müssen nach dem verschwundenen letzten Spiel der verstorbenen Milliardärin und Brettspielentwicklerin Veda suchen und gleichzeitig „Walküre“ spielen. Alle zusammen und jede/r für sich, denn keine/r traut den anderen über den Weg. Das Spiel wird intensiver, bedrohlicher und bald geht es um Leben und Tod.

Zuerst einmal: Das Buch ist unglaublich spannend, wir empfehlen ein Wochenende ohne Termine.

Die Welt des Rollenspiels hier ist düster, zum Teil gruselig, Indiz reiht sich an belastenden Tatbestand, die Wendungen sind zahlreich und immer wieder überraschend. Der komplexe Thriller bietet den Leser:innen jede Menge Raum für Gedankenspiele und Rätsel, die um die Ecke gedacht werden sollten. Wir entdecken im Buch immer wieder eingestreute Fotos, Briefe und Karten, die zum Vordenken oder Mutmaßen auffordern. Die Lesenden sind dem Spieleteam dann manchmal voraus, zumindest beim Interpretieren des Materials, nicht aber bei den Lösungen. Die Szenerie ist atmosphärisch dicht, Türme, Bibliotheken, Hinterzimmer. Der Moder der Kellerräume und die muffigen Gewänder der Komparsen, die die Schauplätze mit viktorianischem Elend füllen, dringt durch die Buchseiten.

Die ausgewählten Charaktere sind vermeintlich janusköpfig, mit einer dunklen, einer hellen Seite. Die siebzehnjährige Icherzählerin ist mutig und entschlossen, wir folgen ihr bei vielen waghalsigen Aktionen. Bei all der Spielrecherche, den Verfolgungsjagden, Kletteraktionen, nächtlichen Bootsfahrten hat sie nebenbei noch Gefühle für zwei charismatische Gleichaltrige, die natürlich auch nicht sind, was sie vorgeben. Das macht aber glücklicherweise aus dem sehr fesselnden Buch keine Liebesgeschichte. Darkly ist auch ein feministisches Buch, das nebenbei Themen wie Cyberstalking aufgreift und wie erfolgreiche Frauen im Internet verurteilt werden, moderne Formen der Hexenjagd.

Das Buch ist längst empfohlen und in unserem (erwachsenen) Freundeskreis haben es alle sehr gerne gelesen/durchgesuchtet. Der zwölfjährige (Empfehlung des Verlags) Buchtroll fand es allerdings zu unheimlich und hat abgebrochen. Wir finden, das ist kein Buch für empfindsame Kinderseelen, ab vierzehnjährige Jugendliche werden aber begeistert sein.

Info
Marisha Pessel: Autorin
Katrin Segerer und Jennifer Michalski: Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch
Insel Verlag, 2. Auflage 2026


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