Die Odyssee

Odysseus‘ List verhalf den Griechen in Troja zum Sieg. Nun möchte der Held endlich zu seiner Frau und seinem Sohn zurück nach Ithaka. Stattdessen wird er zum Spielball der Götter, die ihn auf eine zehnjährige Irrfahrt schicken. Auf dieser Reise erleben er und seine Mitstreiter zahlreiche Abenteuer. Sie essen Lotos und vergessen sich selbst. „Niemand“ entkommt Polyphem, sie lassen sich von Kirke verzaubern, hören den Sirenen nicht zu. Nach vielen Versuchungen landen sie tatsächlich in Ithaka, aber selbst da muss sich Odysseus noch etwas einfallen lassen, bis er sich seinen Lieben offenbaren kann.
Wir freuen uns immer, wenn wir ein Buch finden, dass wenigstens für fünf der sieben Buchtrolle passt. Und wenn es dann noch Homers Odyssee ist … Die „neue Version“ der sehr berühmten Geschichte als Graphic Novel hat uns in den Osterferien nachhaltig beschäftigt. Der starke Sturm in Schweden wurde durch Äolus Geschenk entfesselt, vor der Fährfahrt war der Vierjährige besorgt, ob Poseidon wohl das Schiff in die falsche Richtung lenken oder gar sinken lassen könnte. Drei Kinder liefen Tage mit selbstgespitzten Stöcken durch die Gegend, im Falle man einem Kyklopen begegnet und ihm die Augen ausstechen müsste. Der Dreizehnjährige war entspannter, aber auch er fand das Buch „ganz okay“ (mehr Lob geht nicht), denn die Götterwelt war Unterrichtsstoff in Latein und er konnte keinen Fehler im Buch finden. Überhaupt war die Seite mit dem Olymp immer wieder Gesprächsthema, denn die Kinder haben tatsächlich Position bezogen, würden sie Odysseus helfen, nach Ithaka und zu seiner Familie zurückzukommen? Oder nicht? Und der Kommentar einer Buchtrollin (9 Jahre): „Hier gibt es echt mal viele Frauen.“
Die Abenteuer sind durchaus brutal, aber superspannend und so mythen-/märchenhaft außergewöhnlich, dass die Kleinen (vier und sechs) gebannt zuhören, während die Größeren (neun und elf) erfreut sind, dass ihnen eine der bedeutendsten Epen auf so eingängige Weise präsentiert wird, „ohne so viel lesen zu müssen“. Alle Alter haben sich über die Illustrationen gefreut und immer wieder geblättert. Besonders die zauberischen Wesen „von anderen Inseln“, gleich im Innenteil des Covers, wurden ausführlich besprochen und dann im Text gesucht. Da die Namen der Gebiete, Personen, Wesen beibehalten wurden, muss den Grundschüler:innen beim Selbstlesen allerdings geholfen werden.
Und ganz nebenbei lernen die Kinder noch etwas über Heimweh, Überleben, Versuchungen, Anfechtungen – und dass man sein Geschick durch Klugheit und Geschick selbst lenken kann.
Die(se) Odyssee ist ein wunderbares Buch, das wirklich allen Generationen Spaß macht.
Info
Micolás Schuff
Mariana Ruiz Johnson: Illustrationen
Kim Laura Franzke: Übersetzung aus dem Spanischen
Insel Verlag 2026