Ein Kranich unter Wölfen

Ein Kranich unter Wölfen

„Die Schwester retten. Das Volk befreien. Einen Tyrannen vernichten.“ So wunderbar kurz und knapp ködert uns das Rückcover und fasst die rund 400 Seiten des Buches zusammen. Schön, wenn die Story so einfach und übersichtlich wäre.

Die Autorin June Hur führt uns weit zurück in die Geschichte Koreas, ins Jahr 1506, wo König Yeonsan, als grausamer Tyrann das Volk knechtet, aushungert. Die hübschesten Mädchen und Frauen des Landes lässt er zudem entführen, um ihm zu Diensten zu sein. Sein Halbbruder Prinz Daehyun scheint ihm ein loyaler Freund zu sein, schmiedet aber im Geheimen seit langem Umsturzpläne. Nicht, um selbst Herrscher zu werden, sondern um den Gräueltaten ein Ende zu bereiten. Iseul, ein junges Mädchen aus einst privilegierten Verhältnissen, ist aufgebrochen, um ihre Schwester aus den Fängen des unmenschlichen Königs zu befreien. Beider Schicksale verbinden sich und aus Stolz und Vorurteil wird natürlich beiderseitige Liebe.

Das ist spannend und gut lesbar, ziemlich brutal, aber immer wieder verwirrend. Die Umsturzgeschichte wird erweitert durch zahlreiche Einzelschicksale, Verdächtigungen, grundlos oder nicht. Die Namen ändern sich ständig – weil es die Situation erfordert, weil die Figuren in ihrem früheren Leben anders genannt wurden, weil Kürzel an die Namen angehängt oder ständig neue Kosenamen vergeben werden. Die ohnehin komplexe Geschichte, wird so noch undurchsichtiger. Wir haben uns durchgearbeitet, aber fühlten uns immer wieder im Lesefluss gestört.

Iseul lässt sich zur Detektivin ausbilden und wird Kellnerin im Wirtshaus, das auch Waffenlager und Zentrum der Gruppe ist, die den Umsturz plant. Sie schläft nie, kämpft, wird von Pfeilen durchbohrt, hat zahlreiche blutende Wunden, allerdings auch Mut und ein scharfen Verstand. „Als Frau ist man von tausend Regeln eingeengt und niemand erklärt einem, warum es sie überhaupt gibt.“ Die Autorin hat eine starke Frauenfigur geschaffen, deren Abenteuer die Leser:innen gerne nachvollziehen und miterleben wollen. Daehtun bleibt als Figur blasser, er ist einsam, traumatisiert und lässt erstmal keine Nähe zu.

Durch sich abwechselnde Kapitel, einmal zu Iseul, dann wieder Daehyun, erfahren wir, wie die beiden ihre Abenteuer meistern, wo sie in Joseon aufeinandertreffen und natürlich von Haters zu Lovers werden.

Für Freunde der koreanischen Geschichte und des K-Pops.

Info
June Hur: Autorin

Bernd Sambale: Übersetzung
CROCU 2025


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