Magicalia

Ein riesiges violettes Hamstozeros stopft alles in seine riesigen Backen, es kommt kaum durch die Wohnzimmertür. Bitsy und Kosh sehen beide das Monster, also können sie ja wohl nicht träumen? Bitsys Vater Eric bezeichnet diese Kreatur noch schnell als Magicore, und ist dann verschwunden, entführt von einer Frau mit Kampfhose und Bikerstiefeln. Die beiden Freunde entdecken in einem geheimen Hinterzimmer des Hauses ein uraltes in Leder gebundenes Buch, das Magicalia, ob das gesucht wurde? Und was ist Arkwoods Kreiselrad? Bitsy und Kosh werden auf der Suche nach Eric nicht nur in ein sehr gefährliches Abenteuer verwickelt, sondern entdecken auch ihre besonderen Fähigkeiten und eine Welt voller faszinierender Geschöpfe.
Ich habe das Buch im Garten in der Hängematte gelesen, hatte zum Glück Band zwei schon dabei und habe entspannt unglaubliche Abenteuer auf allen Kontinenten erlebt, ohne dass ich mich selber bewegen musste. Perfekte Urlaubslektüre. Auftragsmörderinnen, Bösewichte in Voldemort-Manier, Kämpfe, magische Exponate und unzählige tierische Wesen, und das noch mit viel Wortwitz und immer wieder Lust am Wortspiel. In diesem Buch finden wir auf jeder Seite rasante Action, gefahrvolle Situationen, fantasievolle Ausstattung, und trotzdem hat das Buch eine angenehm friedliche Grundstimmung. Das liegt natürlich an den beiden Hauptfiguren, die zwar mutig, aber nicht kampferprobt sind, und immer mal an ihren Fähigkeiten zweifeln. Aber vor allem liegt es an diesen besonderen Pokémon-artigen Wesen, die als Handlanger oder Helferin agieren, sehr eigenartige Namen haben und selten bösartig sind. Sie werden in sechs Kategorien eingeteilt, je nach Augenfarbe und Kraft: So können grünäugige Weber-Magicores Gegenstände erschaffen und Hellseher-Magicores mit weißen Augen die Gedanken anderer beeinflussen. Geschaffen werden die Magicores je nach Situation und Erfordernis von kosmodynamischen Personen durch Erinnerungen und Gefühle. Kosh versucht erst einmal ein Hix auf Alpha-Level, mit Vergnügen als Urspungsemotion – ein Hotdog und die Lieblingsfussballmannschaft ist im Spiel.
Wenn auch einiges in dem Buch an andere bekannte Geschichten erinnert (Die besonderen Kinder, Fantastische Tierwesen, Wilderreich), die durch Emotionen geschaffenen Wesen sind eine äußerst interessante neue Idee. (Leider ist es mir nicht gelungen einen Grobbel zu erzeugen – über eine gierige Erinnerung -, der mir eine Zimtschnecke und einen Kaffee organisiert. Ich musste selber aufstehen, vermutlich war das Gamma-Level doch zu anspruchsvoll.)
Tatsächlich kann sich der/die Lesende über die Lektüre auch mit den intensiveren Erinnerungen auseinandersetzen. Woran würde ich denken, wenn ich eine Copykatze oder einen Nimmsorg erzeugen will? Mein Lieblingskonstrukt ist allerdings das Wurzelnetzwerk mit Türen zu allen Orten auf allen Kontinenten. Das wäre gerade in diesen Zeiten eine praktische grüne Alternative.
Wunderbar sind auch David Wyatts Zeichnungen der Rumpelwolken, Narphine, Vistis, Erdschwänze, ebenso witzig und passend zum Text. Die alphabetische Auflistung der Magicores und deren Ursprungsemotion haben wir immer mal wieder zum Einschätzen der Wesen aufgerufen und nachgeblättert.
Ein rundum gelungenes Urlaubsbuch für selbstlesende Grundschüler:innen oder jüngere Kinder mit vorlesenden Erwachsenen, die dann auch Spaß an der Lektüre haben.
Info
Text: Jennifer Bell
Übersetzung aus dem Englischen: Friedrich Pflüger
Illustrationen: David Wyatt
Hanser 2026