Code Orestes – Das auserwählte Kind

Code Orestes – Das auserwählte Kind

Malin will in einer dunklen, kalten Winternacht nur mal kurz Zucker bei den Larssons leihen, als ein Unbekannter aus dem Gebüsch tritt und ihr einen Brief in die Hand drückt, mit der Bitte, ihn dem Rutenkind zu geben. Dieses werde in 100 Tagen erscheinen. Gruselig. Aber Malin widersteht dem ersten Impuls und vernichtet die Botschaft nicht. Als tatsächlich nach 100 Tagen Orestes mit seiner esoterischen Mutter ins Nachbarhaus zieht, ist es klar, er muss dieses Rutenkind sein. Allerdings ist der Brief unverständlich, Orestes erstmal nicht interessiert und Malins Mutter wegen eines Vorfalls in der Vergangenheit Kontrollfreak, Helikoptermutter und computerfeindlich. Zum Glück ist Orestes ein Mathegenie und kann Rätseln und Codes schwer widerstehen, sodass sie doch beginnen, Hinweis für Hinweis zusammen zu entschlüsseln. Sie kommen einer Weltverschwörung auf die Spur, die schon im 19. Jahrhundert angelegt wurde und am Mittsommertag greifen soll.

Knifflige Rätsel, eine anspruchsvolle Story, die weit zurück in die schwedische regionale Geschichte führt, eine spannende Schnitzeljagd mit furiosem Finale: Hier werden Kinder (und mitlesende Erwachsene) auf hohem Niveau unterhalten. Interessant ist das Zusammenspiel aus Mystik und Wissenschaft, Mathematik und Musik. Malin spielt Cello, während Orestes nur den Zahlen traut, Malins Mutter wiederum ist Wissenschaftlerin und entickelt Programmcodes, Orestes Mutter verdient ihr Geld mit Kristall-, Aroma-, Magnettherapie und bietet bei „Helionautica“ auch Horoskope und Reinkarnationsberatung an. Archäoastronomie (Ley-Linien, Mittsommer, Planetenkonstellationen) trifft auf reine maschinelle Funktion und Ingenieurskönnen. Beide Seiten zusammen – trotz Vorbehalten und Skepis – funktionieren gut, machen Spaß, ergänzen sich und tragen mit diesem überraschenden Wissenskonglomerat überzeugend zur Lösung des Rätsels bei. Vigenère- oder Caesar-Chiffre mit Drehscheibe, Zeitungsausschnitte, Rechenschieber, eine alte Remington-Schreibmaschine; zum Glück erfahren die Lesenden Schritt für Schritt wie die historischen Dechiffriermaschinen funktionieren, sodass um die Ecke gedacht und mitgeknobelt werden kann. Dazu werden immer wieder Andeutungen zu einer gefährlichen Situation in Malins Vergangenheit eingestreut, dessen Handlungsstrang sich am Ende wunderbar in die Gesamtheit einfügt.

Eine gute Geschichte hat auch immer eine überraschende Wendung, die hier auch als Cliffhanger für Band 2 dient. Angelegt ist die komplexe Story erfreulicherweise als Trilogie. Wir haben uns über alle Bände gefreut.

Info
Maria Engstrand: Text
Cordula Setsman: Übersetzung aus dem Schwedischen
Mixtvision 2020

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