Skeleton Tree – Nur die Wilden überleben

Chris ist eingeladen, mit seinem Onkel einen Segeltörn entlang der Küste Alaskas zu machen. Er könnte so viel lernen, bettelt er seine Mutter an, wird von der Schule befreit und darf ihn begleiten. Er lernt wirklich viel, das stimmt, allerdings völlig anders als erwartet. Zwei Tage nach dem Start kentern sie, sein Onkel ertrinkt und nur Chris und Frank, der auch auf dem Boot war, stranden an einer unbewohnten Insel, ohne viel Hoffnung auf Rettung.
Eine Insel, zwei Jugendliche und der tägliche Überlebenskampf. Das Buch ist unglaublich spannend, entwickelt Sogwirkung, obwohl fast wie ein Kammerspiel in freier Natur konzipiert. Ihr Radius ist klein. Sie finden zwar eine Hütte, aber ihre Grenzen werden durch das Meer, einen nahen Fluss und das Bärenrevier bestimmt. Sie fangen Lachse, essen Algen und versuchen sich im Feuermachen, die Hoffnung auf Funkkontakt geben sie bald auf. Die Nächte sind kalt, voller Geräusche, angsteinflößend. Und da der ältere Frank den jüngeren Chris hasst, entsteht auch nur selten ein Moment der Gemeinschaft. Was die beiden letztendlich verbindet, erfahren wir über immer wieder kleine Hinweise, bis sich am Ende des Buches alles offenbart.
Der Icherzähler berichtet genau, hochsprachlich, aber mit knappen Worten von den persönlichen Abenteuern, seinen Zwisten und Ängsten, dabei springt er zeitlich immer mal vor und zurück. Er beschreibt liebevoll seinen zahmen Raben, der mit beinahe überirdischen Fähigkeiten ausgestattet ist. Außerdem regt der unheimliche Skeleton Tree seine Fantasie an, denn in den Ästen des Baumes sind Särge und Knochen verkeilt. Vermutlich handelt es es sich um eine traditionelle indianische Bestattungsstätte. Immer wieder geschehen auch seltsame, unerklärliche Dinge.
Das Thema Tod durchzieht das ganze Buch, beide Jungen haben ihren Vater verloren, auch der Onkel ist tot. Das nützliche Treibgut, das sie an der Küste finden, ist angeschwemmter Tsunami-Müll aus Japan. Immer wieder hängt Chris etwas an den Skeleton Tree, und denkt sich Geschichten zu den Kindern aus, die die Dinge nicht mehr vermissen können.
Skeleton Tree ist ein wunderbares, gut lesbares und spannendes Buch, mit mystischen Motiven in einer unwirk/tlichen Umgebung. Immer wieder verweist der Icherzähler selbst auf Robinson Crusoe.
Eher für etwas größere Kinder ab 12 geeignet.
Info
Iain Lawrence: Text
Anne Brauner: Übersetzung
Verlag Freies Geistesleben 2021
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