Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete

Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete

Die dreizehnjährige Stefania weiß, was sie will, eine Lehrstelle im Laden der Familie Diamant. Die Familie nimmt das kluge und charmante Mädchen freundlich auf und Stefania sieht sich bald als katholische Tochter in einer großen jüdischen Familie. Als sie sich drei Jahre später mit Izio Diamant verlobt, blickt sie in eine wundervolle Zukunft. Aber dann verändert sich plötzlich alles. Ihre Heimatstadt wird von den Nazis besetzt und die jüdische Familie ins Ghetto umgesiedelt. Erst schmuggelt Stefania nur Lebensmittel und Medikamente in die Stadt in der Stadt. Als aber die Deportationen in die Konzentrationslager beginnen und immer wieder Menschen gefoltert, drangsaliert oder erschossen werden, trifft sie eine waghalsige Entscheidung: Sie wird Jüdinnen und Juden Zuflucht gewähren, auch wenn es vermutlich ihr eigenes Leben kosten wird.

„Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete“ ist ein sehr berührendes und eindrucksvolles Buch. Sharon Cameron verfasste es nach „einer wahren Geschichte“, sie hatte von Stefania Pódgorska in einem Interview gehört. Mehr als 25 Jahre später nahm sie Kontakt zu Stefanias Sohn in Amerika auf und bekam Zugang zu deren unveröffentlichten Memoiren. Dazu kamen Recherchern, Interviews usw., alles zusammen bildet das Grundgerüst des Romans.

Cameron lässt ihre Icherzählerin im Präsens erzählen, was die Geschehnisse für die Lesenden sehr unmittelbar macht. Dabei bleibt sie aber unaufgeregt, sodass Angst, Verzweiflung und die schrecklichsten Verbrechen lesbar bleiben. Es gibt bei all den Gräueltaten ja auch die schönen, heiteren Momente, ein leckeres Essen, ein neuer Rock, ertauscht, gekauft oder gefunden. Auf Schwarzweißmalerei wird verzichtet, hier wird von Menschen in Ausnahmesituationen erzählt. Im Anhang finden sich Fotografien der Überlebenden, das hilft, wenn die beschriebenen Grausamkeiten unfassbar werden.

Sharon Cameron hat einen großen Roman über ein Mädchen mit Zivilcourage und Menschlichkeit verfasst, das einen sehr demütig werden lässt. Das Buch bleibt spannend bis zur letzten Seite, 13 Personen auf einem Dachboden zu verstecken, erfordert unglaublichen Mut. Ganz nebenbei können die Lesenden natürlich auch noch ihre Geschichtskenntnisse erweitern.

Info
Autorin: Sharon Cameron
Übersetzerinnen: Katharina Förs und Naemi Schuhmacher
Verlag: Insel 2020
Gebunden 473 Seiten




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.