St. Irgendwas

St. Irgendwas

Kann eine ganze Klasse von der Schule fliegen? Gerüchte, Spekulationen, Geflüster, der Schulhof ist ein einziges Geraune. Auf der Klassenfahrt der 10b muss etwas Gravierendes passiert sein, warum wird sonst eine Klassenkonferenz anberaumt. Und weshalb wurden alle Eltern eingeladen, und nicht nur die von Josch, der doch sicher die Bombe hat hochgehen lassen?

Ein dreizehnseitiger Dialog voller Mutmaßungen führt in die Geschehnisse ein: Schüler:innen debattieren auf dem Schulhof, ohne dass wir erfahren, wer spricht. Dann wird anhand der Schüler:innen-Protokolle die Klassenfahrt rekonstruiert, bis zu deren skandalöser Eskalation. Die Schüler:innen selbst sprechen/schreiben zu lassen, ist ein geschickter Kunstgriff, Tamara Bachs Buch wirkt so frisch, jung und modern. Sie greift Gesetzmäßigkeiten und Konflikte im Mikrokosmos Schulklasse auf (zu intensiverer Analyse kann es bei knapp 130 Seiten nicht kommen): wenn unterschiedliche pädagogische Stile, konservativ oder jugendzentriert, aufeinanderprallen; sich Jugendliche solidarisch verhalten, sich auf einer Klassenfahrt neu und intensiver kennenlernen, Gemeinschaft entsteht. Der Stil der Autorin ist für ein Jugendbuch ungewöhnlich, knapp, lakonisch, eben ein Verlaufsprotokoll mit witzigen Randbemerkungen.

Literatursprachlich ausgefeilt, thematisch zeitgemäß und schnell wegzulesen wird „St. Irgendwas“ sicher die Lieblingslektüre der aufgeklärten Deutschlehrenden und damit als Pflichtstoff von den Schüler:innen leider nur ungern zur Hand genommen. Was schade wäre, denn das Buch ist für die Zielgruppe nachvollziehbar und interessant.

Was mich aber wirklich umtreibt, vielleicht bin ich zu lange raus: Ist ein Ausflug ans Meer heutzutage so eine Entgleisung?

Info
Autorin: Tamara Bach
Carlsen Verlag 2020
128 Seiten


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