Quiet Girl. Geschichten einer Introvertierten

Quiet Girl. Geschichten einer Introvertierten

Debbie liebt Regentage, denn da erlaubt sie sich, mit Büchern und Tee zu Hause unter einer Decke zu verschwinden. Sie wäre glücklich mit sich selbst, wäre da nicht dieser gesellschaftliche Druck. Smalltalk zu machen, Gruppenarbeiten in den Seminaren zu präsentieren – und dann noch ständig diese Partys. Debbie weiß einfach nicht, wie das geht, Leute treffen, leichte Gespräche führen. Rafft sie sich zu einer Feier auf, steht sie den ganzen Abend am Rand und zählt die Minuten, bis sie glaubt unauffällig verschwinden zu können. Was stimmt bloß nicht mit ihr, warum ist sie nicht normal? Sie hat Schuldgefühle und Versagensängste und horcht sehr intensiv in sich hinein. Sollte, müsste, könnte sie vielleicht doch?

Mit viel Humor und Selbstironie zeichnet sich Debbie Tung selbst. In vielen kleinen Comic-Geschichten erzählt sie aus dem Leben der verschlossenen, in sich gekehrten Menschen. Hier hätten keine knallbunten Farben gepasst. Mit flottem Strich und in allen Grauschattierungen lesen, sehen und fühlen wir uns durch Debbies persönliche Waterloos. Und wir finden uns wieder, identifizieren uns, viele Situationen sind uns peinlich bekannt oder waren doch geglückt. Debbie Tung schaut nicht nur in ihre eigene Seele, sondern in die vieler Leser:innen, das macht das Buch so unterhaltsam. Und es regt zur amüsierten Selbstreflexion an, wie steht es heute um „mein äußeres Selbst“ (ruhig, gut gelaunt, freundlich und unbeschwert“ zum „inneren Selbst“ (eine Mischung aus Frust, Wahnsinn und langsamem Sterben).

Auch wenn die Figur ihren mentalen Akku nach einer Situation mit vielen Menschen auf 0 zurücksetzen musste. Wir haben unseren mit dem Buch aufladen können, alleine, vergnügt und auf dem Balkon bei Sonnenschein. Das geht auch.

Info
Autorin: Debbie Tung
Aus dem Englischen übersetzt von Katharina Hartwell
Verlag: Graphix Loewe 2022


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