Träume sind wie wilde Tiger

Träume sind wie wilde Tiger

Ranjis größter Wunsch ist es, mit seinem Helden Amir Roshan mal in einem Bollywood-Film zu spielen. Und tatsächlich, eines Tages sucht der Star einen Mittänzer in Ranjis Alter. Das ist die Chance seines Lebens, er MUSS einfach dabei sein. Leider hockt Ranji in Deutschland, das Casting ist in Mumbai, und ihm bleiben nur wenige Tage, um ein Promo-Video einzureichen. Als erst Ranjis Handy, dann der Laptop mit dem Video von Mitschülern gezockt wird, sieht es mies aus für ihn und seine Bollywood-Leidenschaft. Wäre da nicht Toni, würde aus seinem Lebenstraum ein Albtraum.

Eine visuell herausragende Culture-Clash-Komödie für Kinder, mit knallbunten Kostümen, gelungenen Tanzeinlagen, sehr schrägen Nebenfiguren und sogar ein bisschen Rassismuskritik, das ist nicht oft zu finden. Hier funktioniert es bestens, sogar die 6-Jährige schaut gebannt, obwohl sie einige Scherze über Vorurteile, Migration und Assimilation sicher nicht versteht. (Zum Glück, denn einige gehen nach hinten los, Yoda-Sprache ist hier peinlich). Die sich wütend um den Boxsack schwingende und gegen die Wand tretende Toni finden aber alle drei Buchtrolle „total edgy“. Es schwingt ja nicht nur die Nachbarin, dieser Film ist voller Bewegung und Musik, es wird getanzt, gesungen, gerannt und sich auch mal verrannt. Die Songs laden zum späteren Mitsingen ein, die Tanzchoreografien sind mitreißend, egal, ob technisch gestaltet oder als Bollywood Dance. So bunt und prall wie Indien gezeigt wird, so weißgrau präsentiert sich Deutschland, alle wollen indische Küche, verkocht wird aber Himmel und Erde – als deutsches Nationalgericht. Und wenn auch der Eltern-Kind-Konflikt suggeriert, dass die Elterngeneration auf der anderen, realistischen Seite steht – denn des Vaters Grundsatz ist die berechenbare Mathematik, Wohlstand, Sicherheit und Zahlen -, verspricht der Gute-Laune-Film allen ein versöhnliches, wunderbares Ende und die Kinder schauen sich hochzufrieden auch noch die Interviews mit den Schauspieler:innen an.

Prädikat „wertvoll“

Info
Regie: Lars Montag
Darsteller:innen: Shan Robitzky (Ranji), Annlis Krischke (Toni), Irshad Panjatan (Daada Ram)
Musik: Plate und Sommer
Choreografie: Regina Weber, Jimmie Surles
Deutschland 2021
DVD ca. 96 Minuten

Produktion NFP*, Koproduktion mit KiKA, RBB, NDR.

Im Stream ab 4. Juli, auf DVD ab 14. Juli 2022.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.