Schräge Vögel singen nicht

Schräge Vögel singen nicht

Leonard Vangen lebt in einer heruntergekommenen Villa auf Bærum, einer Reichen-Insel am Oslofjord, und tut eigentlich nichts. Zusammen mit seinem Mieter, einem Bildhauer, der seit Jahren an einer Skulptur arbeitet, deren Kopf noch nicht fertiggestellt ist, weil er ihn je nach Auftraggeber „anpassen“ möchte, lebt er antriebs- und anspruchslos so vor sich hin. Als Leo allerdings im Regionalblättchen liest, dass eine Leiche direkt vor seiner Insel gefunden wurde und ausgerechnet seine Jugendliebe Mariken ermittelt, rafft er sich auf und mischt sich ein.

Wo Lars Lenths Sympathien liegen, ist klar: nicht bei den reichen Immobilienspekulanten, die korrupt, narzistisch, skrupellos sind, über Leichen gehen und auf Umwelt, Frauen und Kinder pfeifen – um nicht ein Wort zu schreiben, dass sich irgendwie auf pfeifen reimt und was ein angeheuerter Kleinganove als Warnung in den Briefkasten eines betrogenen Anteilseigners macht. Wieder greift der Autor auf seine eigene derbe, höchst amüsante Art Umwelt-Themen auf: Dieses Mal sind es die Bauherren von Großprojekten, im letzten Band “Der Lärm der Fische beim Fliegen” (der chronologisch eigentlich vor diesem liegt) waren es die großen Lachszuchtfarmen. Sein Plot ist bizarr, blutig, manchmal brutal, aber immer unterhaltsam und lesbar inszeniert. Der Roman ist allerdings kein Thriller, sondern vor allem Gesellschaftssatire mit Mordsgeschichte. Seine Figuren sind liebevoll „über“ zeichnet; immer sind die ohne Streben nach Geld und Macht die moralischen Größen. Leo Vangen erinnert ein wenig an den Autor: Beide lieben das Golfspielen und die Rock-Musik – die es sich lohnt, beim Lesen im Hintergrund als akustische Anmerkung laufen zu lassen. Allerdings ist Lars Lenth umtriebiger als sein literarisches Alter Ego, denn neben seiner Karriere als Schriftsteller ist er in Norwegen berühmt für seine DVDs zum Fliegenfischen, aus dem Fernsehen zum selben Thema und als Mitglied einer Rockband.

Info:
Lars Lenth “Schräge Vögel singen nicht“
Aus dem Norwegischen von Frank Zuber
Limes Verlag, 288 Seiten


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