Fünf-Kugeln-Eis-Tage mit Oma und Opa

Fünf-Kugeln-Eis-Tage mit Oma und Opa

Feline und Felix lieben ihre Großeltern, die haben Zeit und sind auch für spontane Aktionen zu haben. Und Eise werden nicht pädagogisch auf eine Kugel begrenzt, sondern können sich turmhoch stapeln. Sie gehen in den Zoo, auf den Rummelplatz, wühlen auf dem Dachboden in geheimnisvollen Truhen oder spielen Piraten. Immer wieder treffen sie Liane mit der Brille, in die Felix verknallt ist, aber psst, das ist ein Geheimnis. Auch als Oma eine Eintagesreise nach Paris gewinnt, nimmt sie kurzerhand ihre Enkel mit, und wer hätte gedacht, dass Oma eine begnadete Hütchen-Spielerin sein könnte, wenn sie denn jemals spielen würde.

Die Töchter und ich haben die Millie-Bücher (und andere) von Dagmar Chidolue geliebt, auch als die Mädchen schon studiert haben, wanderte ein bisher unbekanntes Millie-Buch vom Flohmarkt immer durch die ganze Familie. Wir sind mit Millie in London gewesen und in der Villa Kunterbunt, haben mit ihr Weihnachten gefeiert, bei ihren Jungs-Problemen mitgefühlt und wurden mit ihr eingeschult – und haben sie letzten Endes doch ein bisschen aus den Augen verloren. Große Begeisterung also, dass die ausgezeichnete (in der doppelten Bedeutung des Wortes) Autorin ein neues Buch veröffentlicht hat, wo die Kinder und Enkel nun alt genug sind, um sich ihre eigenen Held:innen zu schaffen.

Und nun möchte ich (selber Oma) das Buch nicht vorlesen, so altmodisch – und ich meine hier nicht nostalgisch – sind die Geschichten, geradezu verstörend die ständigen Bemerkungen des Jungen „er sei ein Mann“ und deshalb hielte er zu Opa. Bis zum Ende des Buches habe ich gehofft, dass sich das auflöst, eine Kehrtwende oder ein Richtungswechsel vorgenommen wird, die Autorin/der Protagonist zur Einsicht kommt. Nein, Felix bleibt ein ganzer Kerl und seine kleine Schwester ein Kindergartenkind, das an die Hand genommen werden muss. Die Oma trägt meist Perlenkette, sorgt für den Proviant und nennt ihren Mann Opa!, der praktischerweise immer ein nützliches Werkzeug in der Hosentasche hat. Die Kinder schlagen niemals über die Stränge und kleinere Problemchen werden aus dem Handgelenk überwunden.

Die Zeichnungen von Susanne Göhlich sind wie gewohnt wunderbar. Der Charme der leichten Sprache schimmert immer noch durch, die Idee der Oma als Hütchen- oder dann doch nicht Hütchenspielerin ist lustig, der Großvater und seine Zuneigung vor allem zu den Erd-männ-chen auch. Aber ein Buch mit einer so klassischen Rollenverteilung in allen Generationen ist einfach nicht mehr zeitgemäß.

Info
Autorin: Dagmar Chidolu
e
Illustratorin Susanne Göhlich
S. Fischer Verlage 2021


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