Bork – Der Bäumling

Bork – Der Bäumling

Als Maja während eines Gewitters im Wald in einer Höhle Schutz sucht, entdeckt sie viele Dinge, die in ihrer Familie als verschwunden gelten: Murmeln, Kaffeebecher, ein Stofftaschenbuch, bunte Bausteine. Neuer Besitzer ist ein Wesen, ganz allein auf der Welt und ein bisschen seltsam. Der „Junge“ hat Füße wie ein Hobbit, aus seinen Haaren rieselt Laub und seine kurze Hose ist aus Rinde. Das einzige Wort, das er spricht ist Bork. Einen Bork kann man nicht geheim halten und so darf Bork übers Wochenende bei der Familie Blomberg bleiben, sehr zum Ärger des Vaters, der in seinem geordneten Steuerberaterleben einen Bork lieber nicht hätte.

Nein, Bork ist kein Troll. Er ist ein Bäumling, ein Baumkind, direkter Nachfolger des Weltenbaums Yggdrasil und Mittler zwischen „der Natur und den Menschen“. Die Lesenden erfahren, dass er astig und nicht knochig ist, gewachsen und nicht geboren. In der Nacht schläft er im Stehen, wurzelnd.

Olle Lindberg (der sein Pseudonym besser schützt als Lemony Snickets Schöpfer – ist er Schwede, ist er Deutscher? – übersetzt wurde wohl nicht) hat eine der schönsten modernen Kinderbuchfiguren geschaffen. „Bork – Der Bäumling“ hat unsere Buchtrolle einen ganzen langen Schwedenurlaub am Buch gehalten, denen bisher alle Kinderliteratur „zuuu spannend“ oder „zuuu langweilig“ war und die aufgrund ihres unterschiedlichen Alters (4, 6 und 8) kaum unter einen Lesehut zu bringen waren. Genau diese haben sich abends aufs Zu-Bett-gehen gefreut, weil Bork vorgelesen wurde. Die Kinder haben sich mit „Bork“ angesprochen, haben „brotig“ verlangt und sich „astig“ gefühlt und „leckerige“ Zimtschnecken gebacken (Rezept findet sich hinten im Buch). Sie haben gekichert, mitgefiebert und gebangt, ob er ein Blomberg werden kann. Und ganz nebenbei haben die Lesenden auch noch etwas über die Mythen der Wikinger erfahren. In diesem Buch steckt alles: Lustiges, viel Mitgefühl, aber auch Zwist, eine lebensgefährliche Situation und Erwachsene, die Abbitte leisten müssen. Der Stil ist locker, verständlich, ohne sich anzubiedern, und die Illustrationen von Daniela Kunkel sind so witzig, dass sie auch zum Blättern anregen.

Band 2 „Bork – Außer Rand und Band“ erscheint Ende November, eine Leseprobe war abgedruckt. Eine Anmerkung an den Autor oder den/die Übersetzer:in, wenn es ihn/sie gibt: Lehrerin „Fräulein Krokig“ sollte zu Frau Krokig werden – auch wenn sie eine Zimtzicke ist.

Eine Frage bleibt offen, ist ein Bäumling tatsächlich ein Junge? Gibt es Mädchen-Bäumlinge? Oder hat der Autor eine Chance vertan und hätte ein geschlechtsneutrales schwedisches „hen“ schaffen können?


Info:
Olle Lindberg: Bork – Der Bäumling
Mit Illustrationen von Daniela Kunkel
Baumhaus Verlag, 2020, 176 Seiten
Ab 5 Jahren


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.