Magic Kleinanzeigen – Gebrauchte Zauber sind gefährlich

Magic Kleinanzeigen – Gebrauchte Zauber sind gefährlich

Tobi hat reichlich Probleme: Seine Mutter hat die Haare rot gefärbt, nennt sich Ändy, geht joggen und erwartet, dass er die Biologieprüfung auf jeden Fall besteht. Sein allerbester Freund Leon zieht sich plötzlich zurück und hat niemals mehr Zeit. Und die seltsame Filine mit der Strickmütze im Hochsommer verfolgt in auf Schritt und Tritt und ist scharf auf die Kiste mit seinen Stofftieren im Kofferraum. Ist die Zeit also reif, sich „von altem Ballast zu befreien, um neue Wege zu gehen“? Die Website mit den Magic Kleinanzeigen könnte ja erstmal helfen, wenigstens sein Biotest-Problem zu lösen, wenn er den magischen Schreiber bekommen kann.

Der Schreiber, den Tobi mit M-Coins gekauft hat, die er wiederum durch den Verkauf gebrauchter Dinge ertauscht hat, schreibt zwar im Biotest kenntnisreich über Lurche, aber leider nur in Reimform; sein niedriges M-Level hat nicht für fehlerfreie Ware gereicht. Das ist witzig, modern und lesenswert, die Geschichte steckt voller amüsanter Einfälle, über die Tobi als Icherzähler frech und flapsig berichtet. Das Buch steigt zudem furios ein, mit dem entführten und gefesselten Tobi, der kurz vor der Löschung seines magischen Wissens steht. Der Spannungsbogen funktioniert. Die Figuren haben durchaus individuelle Züge, der Plot ist voller Wendungen und Überraschungen (so existiert eine skrupellose Piratenbande, die magische Gegenstände stiehlt, statt sie zu kaufen). Die üblichen Probleme von Jugendlichen (mit den Eltern, mit den Freunden) werden auch noch problemlos integriert, ohne das Buch als Coming-of-Age-Story zu bewerten.

Leider passt das grellbunte Buchcover nicht zum Inhalt, es weckt bei jungen Lesenden Erwartungen, die es so nicht erfüllt. Bis der erste magische Gegenstand erkannt wird, sind wir bei Seite 86, denn der magische Strang entwickelt sich wesentlich langsamer als der Schul-, Familien- und Freundschaftsstrang. Das ist für ältere Lesende akzeptabel, denn das Buch passt ja, ist für jüngere Kinder mit Bedürfnis nach Zauberstäben, Verschwinde- und Liebeszaubern aber Grund genug, das Buch viel zu früh beiseite zu legen.

Info
Autorin: Esther Kuhn
Ma
gellan Verlag, 2. Auflage 2021


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