Sommersprossen auf den Knien

Sommersprossen auf den Knien

„Tempo und Zuversicht“ ist Tonjes Motto, egal, ob es sich um Skier, Rodelschlitten, Fahrräder oder einfaches Gerenne handelt. Tonje ist schnell und risikobereit, deshalb steckt ihr Kopf halt auch öfters nach einem missglückten Irgendwas im Schnee und die Knie sind ständig pflasterverziert. Papa hofft einfach, dass sie „abends wieder heimkommt“, Mama ist als Wissenschaftlerin in Grönland, zu weit weg für Einflussnahme, und ihr Patenonkel, der alte Gunnvald, unterstützt sie bei ihren Rodeltests auch noch. Tonje hat zwar im Dorf keine anderen Kinder, aber sonst ist sie mit ihrem Leben hochzufrieden. Alles wird anders, als Gunnvald ins Krankenhaus muss, ein Brief hin- und hergeht, zwei Kinder im Feriencamp erscheinen und ein großes Geheimnis aufgedeckt werden muss. Tonje läuft zu Hochform auf.

Plötzlich war das Buch da und ich weiß nicht, wieso es auf dem Schreibtisch gelandet ist, aber ich habe es mit großer Freunde gelesen und bin froh, dass es aufgetaucht ist (erschienen ist es schon 2010). Der norwegische Ort ist klein, die Höfe sind riesig, die Almen entlegen. Es gibt viel Schnee, Wasserfälle und wenn das Frühjahr kommt, ist der Frühling intensiver als hier, die Autorin setzt die Jahreszeiten sprachlich wunderbar um. An diesem Buch ist viel XXL, natürlich das Tempo der Aktionen. Haarsträubend zu lesen für besorgte Erwachsene, andächtig bestaunt von den Buchtroll:innen. „Glimmerdals kleiner Wirbelwind“ ist ein sehr starker und autarker Charakter (sie erinnert an Tjorven aus Saltkrokan) mit dem zahmen Möwen-Geir auf dem Fahrradhelm. Hier wird mit vollem Einsatz für die Interessen und das Gute in Glimmerdal gekämpft. (Gern würden wir auch ein Prequel über die wilden Zwillings-Tanten lesen).

Ganz locker orientiert sich das Buch thematisch an Johanna Spyris Heidi-Büchern, allerdings angenehm modernisiert. Auch hier hat ein Kind, Heidi, Sehnsucht nach den Bergen, nach seinem Vater. Es wird gezeigt, wie wichtig Verzeihen sein kann, auch um Versöhnung möglich zu machen. Es geht um Starrsinn und Missverständnisse und wie Musik hilft, Gefühle auszudrücken für die Worte fehlen.

Überaus schwungvolle Schwarzweiß-Zeichnungen ergänzen die Texte und runden das Buch stimmig ab.

Autorin: Maria Parr
Deutsch von Christel Hildebrandt
Illustrationen von Heike Herold
Cecilie Dressler Verlag, Hamburg 2010


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